Der Begriff Street ist ein Pokerbegriff, dem du häufig begegnen wirst. Fragst du dich, was eine Street im Poker bedeutet und welchen Einfluss sie auf die Strategie hat?

Der Ausdruck „Street“ spielt auf die Idee an, dass Poker wie ein 🏍️ Spaziergang durch eine Straße ist. Jede neue Street liefert neue Informationen, die dir helfen, fundiertere Entscheidungen zu treffen.

👉 Streets sind Karten, die zu bestimmten Zeitpunkten einer Hand ausgeteilt werden. Der Begriff ist in allen Poker-Varianten gleich, einschließlich Community Card-, Stud- und Draw-Poker. Allerdings können sich Anzahl und Namen der Streets unterscheiden.

Zum Beispiel gibt es in Community-Card-Spielen wie Omaha und Texas Hold’em fünf Streets. Der Flop zählt dabei als drei Streets, da drei Karten gleichzeitig aufgedeckt werden. Danach folgen Turn und River mit jeweils einer Karte.

Poker-Streets – Grundlagen

In Community-Card-Spielen wie Texas Hold’em und Omaha werden häufig die Begriffe Preflop, Flop, Turn und River verwendet. Manche Spieler bezeichnen Turn und River jedoch auch als vierte und fünfte Street. 

Poker streets

Eine Street beschreibt das Austeilen der Karten, nicht die Setzrunde. In Hold’em und Omaha gibt es vier Setzrunden: Preflop, Flop, Turn und River.

Der Preflop

Der Preflop ist die erste Setzrunde in Community-Pokerspielen. In dieser Phase erhalten die Spieler ihre Hole Cards, aber es wurden noch keine Gemeinschaftskarten aufgedeckt. Die zwei Spieler links vom Button posten die Blinds, und dieses Dead Money dient als finanzieller Anreiz, die Hand zu beginnen.

poker preflop

Die Action preflop beginnt beim Spieler in der Under-the-Gun-Position und geht weiter, bis alle verbleibenden Spieler den höchsten Raise gecallt haben. Es ist auch möglich, dass alle Spieler bis auf einen ihre Karten folden. In diesem Fall steht der Gewinner der Hand bereits preflop fest – weitere Streets werden nicht gespielt.

Der Preflop wirkt vielleicht wie ein einfacher Einstieg, aber die Entscheidungen in dieser Phase können einen großen Einfluss darauf haben, wie du den Rest der Hand spielst.

Legt die Grundlage

Der Preflop bildet die Grundlage dafür, wie eine Hand gespielt wird. Du entscheidest, ob du callst, erhöhst oder foldest, abhängig von:

  • 🤔 wie stark deine Hole Cards sind;
  • ❓ in welcher Position du sitzt;
  • ❓ welche Aktionen vor dir stattgefunden haben.

Deine Entscheidungen hängen stark davon ab, ob du in früher, mittlerer oder später Position sitzt. In früher Position solltest du zum Beispiel deutlich tighter spielen. In später Position kannst du hingegen die Aktionen deiner Gegner beobachten, bevor du selbst entscheidest. Das gibt dir mehr Freiheit und ermöglicht es dir, mehr Hände profitabel zu spielen.

Definiert Handranges

Erfahrene Spieler denken preflop nicht nur über ihre eigenen Hole Cards nach. Sie überlegen auch, welche Hände ihre Gegner basierend auf deren Aktionen haben könnten. Wenn du die Range deines Gegners einschätzen kannst, kannst du beurteilen, ob deine Hand wahrscheinlich vorne oder hinten liegt. Anschließend kannst du deine Strategie entsprechend anpassen.

Zum Beispiel: Du siehst, dass dein Gegner aus früher Position einen Open Raise macht. Das deutet oft darauf hin, dass er eine Premium-Hand oder zumindest eine sehr spielbare Hand hält.

Im Durchschnitt eröffnet ein guter Spieler aus früher Position etwa 15 % seiner Hände mit einem Raise:

utg open raise

Der Flop

In Omaha- und Texas-Hold’em-Varianten ist der Flop die zweite Setzrunde nach dem Preflop. Es ist ein spannender Moment, in dem die ersten drei Gemeinschaftskarten auf dem Board aufgedeckt werden. Diese Karten liegen offen für alle Spieler sichtbar auf dem Tisch.

poker flop

Der Flop ist nicht einfach nur eine weitere Runde im Spiel – für jeden Spieler am Tisch kann er über Gewinn oder Verlust der Hand entscheiden.

Bestimmt die Stärke deiner Hand

Der Flop ist eine entscheidende Phase. Er liefert wichtige Informationen, mit denen Spieler die Stärke ihrer Hand einschätzen können. Indem sie die drei Gemeinschaftskarten auf dem Flop mit ihren Hole Cards kombinieren, können Spieler ihre Gewinnwahrscheinlichkeit berechnen. Dieses Wissen hilft bei der Entscheidung, ob man folden, checken, setzen oder callen sollte. 

Zwingt Spieler zur Anpassung

Der Flop zwingt Spieler häufig dazu, ihre Strategie anzupassen, da er neue Informationen liefert. Dabei müssen Spieler nicht nur ihre eigene Hand berücksichtigen, sondern auch mögliche Hände ihrer Gegner. 

Die Anpassung an den Flop ist ein zentraler Bestandteil erfolgreichen Pokerspiels und kann den Ausgang einer Hand stark beeinflussen.

Der Turn

Nach der Setzrunde auf dem Flop wird eine Karte vom Deck verbrannt und eine vierte Gemeinschaftskarte aufgedeckt. Diese Karte nennt man den Turn, auch bekannt als Fourth Street.

poker turn

Der Turn ist eine oft unterschätzte Setzrunde, die in Strategiematerialien häufig zu wenig Beachtung findet. Viele Strategieguides konzentrieren sich auf das richtige Spiel auf Flop und River und betrachten den Turn nur als Verbindung zwischen zwei wichtigeren Streets.

Nach den Setzrunden auf Preflop und Flop ist der Pot häufig bereits so groß geworden, dass du entscheiden musst, ob du dich vollständig auf die Hand einlassen willst oder nicht. Deshalb ist die Turn-Strategie ein entscheidender Bestandteil jeder Pokerhand.

Verändert drastisch die Hand-Odds

Neben der zusätzlichen Karte auf dem Board verändert die Turn-Karte auch die Wahrscheinlichkeiten, eine Hand zu verbessern.  Spieler können ihre Chancen auf eine Gewinnhand neu bewerten und zusätzliche Informationen für weitere Analysen nutzen.

Zum Beispiel steigen die Gewinnchancen eines Spielers stark an 🚀, wenn die Turn-Karte einen Flush Draw vervollständigt und er darauf gespielt hat. Verbessert die Turn-Karte seine Hand jedoch nicht, muss er seine Strategie möglicherweise überdenken und entscheiden, ob er foldet oder bis zur letzten Street im Pot bleibt.

Auf dem Turn haben Draw-Hände deutlich weniger Equity als auf dem Flop. Zum Beispiel hattest du in Texas Hold’em mit einem Flush Draw gegen Top Pair auf dem Flop fast 40 % Equity:

Wenn du deine Karte auf dem Turn verpasst, bleiben dir nur noch etwa 20 %.

Deine Equity hat sich also halbiert. Schau dir ähnliche Szenarien mit dem Poker Odds Calculator an.

Stellt die Fähigkeiten der Spieler auf die Probe

Der Turn ist ein entscheidender Moment im Spiel, in dem die Fähigkeiten der Spieler besonders gefordert sind. Auf dem Turn müssen Spieler sorgfältig die Reaktionen ihrer Gegner, Setzstrategien und den gesamten Verlauf der Hand berücksichtigen.

An diesem Punkt werden Bluff-Techniken noch wichtiger. Der Pot ist bereits groß und es bleibt nur noch eine Street, auf der sich Hände verbessern können. Deshalb bietet die Turn-Setzrunde eine hervorragende Gelegenheit, zusätzlichen Druck auf deine Gegner auszuüben.

Der River

Nach dem Turn beginnt die River-Runde, in der die fünfte und letzte Gemeinschaftskarte offen auf den Tisch gelegt wird. Es ist die letzte Chance für Spieler, ihre Hand zu verbessern.

poker river

Der River ist eine sehr interessante und technisch anspruchsvolle Street, da Spieler ihre Hände nicht mehr verbessern können. Alle Spieler haben ihre Kombinationen bereits gebildet, und vor dem Showdown bleibt nur noch eine letzte Setzrunde.

Zwingt zu teuren Entscheidungen

Nach mehreren Setzrunden ist der Pot in der Regel deutlich angewachsen. Entscheidungen am River sind daher sehr teuer, und du verspürst möglicherweise den emotionalen Wunsch, den Pot unbedingt zu gewinnen. Außerdem kann Druck entstehen, weil du bereits viel Geld investiert hast. Versuche dennoch, 🧠 einen klaren Kopf zu behalten und Emotionen nicht deine Entscheidungen beeinflussen zu lassen.

Denke jedoch daran, dass deine Gegner in derselben Situation sind. Deshalb kann ein Bluff am River zwar riskant, aber auch sehr profitabel sein. Wichtig ist, die richtigen Situationen zu wählen und eine passende Betgröße zu verwenden.

💡 Sei vorsichtig mit Value Bets: Eine Hand, die auf dem Flop stark war, ist auf dem River nicht unbedingt noch stark.

Kann zu Tilt führen

Die dümmsten und teuersten Fehler im Poker passieren oft am River. Ein typisches Problem vieler Spieler ist, dass sie ihre Karten nicht folden können, obwohl sie wissen, dass sie beim Showdown höchstwahrscheinlich verlieren werden. Am River spielt die Psychologie mehr als auf jeder anderen Street eine entscheidende Rolle.

Fazit

Um im Poker erfolgreich zu sein, musst du verstehen, was Streets sind und wie sie deine Strategie beeinflussen. 

Vom Preflop bis zum River bringt jede Street eigene Chancen und Herausforderungen mit sich. Wenn du verstehst, wie jede Phase funktioniert, kannst du bessere Entscheidungen treffen, dich an neue Informationen anpassen und dein Pokerspiel insgesamt verbessern.

Nick Korolev
Nick Korolev

Professioneller Pokerspieler & Hand2Note-Experte

Nick Korolev ist seit 2016 professioneller Pokerspieler und seit 2018 langjähriges Mitglied des Hand2Note-Teams. Er ist Autor des offiziellen Hand2Note-3-Handbuchs und Entwickler vollständiger Kurse zu Hand2Note 3 und Hand2Note 4.